RefMod-Miner as a Service (RMMaaS)

Seit einigen Tagen ist der „RefMod-Miner as a Service“ frei über das Internet zugänglich. Aber was ist das eigentlich und worum geht es? Ich möchte versuchen, in diesem kurzem Artikel etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Hintergrund

Geschäftsprozessmodelle stellen ein wichtiges Artefakt in der in der Theorie und der Praxis der Wirtschaftsinformatik dar. Sie beschreiben betriebliche Abläufe und bilden u. a. die Grundlage für die Konzeption von Informationssystemen, die diese Abläufe technisch unterstützen. In den Anfängen des Geschäftsprozessmanagements (engl. Business Process Management) in den frühen 1990er Jahren erfolgte die Modellierung von Geschäftsprozessen zunächst ausschließlich manuell, insbesondere auf Basis von Interviews mit den Prozessbeteiligten. Inzwischen existieren immer leistungsfähigere automatisierte Ansätze wie Process Mining, welche Logdaten von Informationssystemen nutzen, um daraus Prozesswissen zu extrahieren und dieses in Modellform abzubilden. Es entsteht damit eine Vielzahl von Geschäftsprozessmodellen, deren Handhabung Wissenschaft und Praxis vor neue Herausforderungen stellt. So sind Modelldatenbanken mit Hunderten oder mehreren Tausenden bis hin zu Zehntausenden Prozessmodellen heute typische Größenordnungen in Unternehmen. In der BPM-Forschungsgruppe des IWi im DFKI entstand daher bereits vor einigen Jahren die Idee, ein Werkzeug als Forschungsprototyp zu entwickeln, welches in der Lage ist, das in diesen Modelldatenbanken enthaltene Wissen weiter nutzbar zu machen, um u. a. auf induktive Weise Referenzmodelle aus vorhandenen Unternehmensmodellen zu gewinnen. Der Name RefMod-Miner steht damit für die Idee des Reference Model Mining (Erklärvideo).

RefMod-Miner

Für das Java-basierte Werkzeug RefMod-Miner wurden zunächst Grundfunktionalitäten entwickelt, die das Arbeiten mit Geschäftsprozessmodellen (hier: EPKs) erst ermöglichen. Es entstanden schnell weitere Funktionalitäten für die Analysen von Prozessmodellen und deren Charakteristika, bis schließlich auch erste Ansätze für die induktive Referenzmodellierung umgesetzt wurden. Inszwischen bietet der RefMod-Miner ein reichhaltiges Repertoire an Analyse- und Erstellungsverfahren für Geschäftsprozessmodelle auf Typen- und Instanzebene mit Anbindungen an Statistik- und NLP-Werkzeuge sowie Wortnetze an, welches kontinuiertlich wächst. Der aktuelle Entwicklungsstand wird in jeweils aktuellen Versionen einer öffentlich zugänglichen Funktionsbeschreibung festgehalten. Zu den zentralen Themenbereichen zählen nebem (oder zugehörig zum) Reference Model Mining: Process Matching (Erklärvideo), Process Clustering, Process Integration, Process Similarity Measurement sowie Graphanalysen wie bspw. Subgraphisomorphien uvm.

RefMod-Miner as a Service

Um den RefMod-Miner nun auch zumindest in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, habe ich mich entschlossen eine WebApp zu entwickeln, welche ausgewählte Funktionalitäten „as a Service“ im Internet anbietet. Hierbei wird der RefMod-Miner über eine CLI-Schnittstelle angesteuert. Darüber hinaus existieren noch einzelne in PHP entwickelte Zusätzfunktionalitäten (unter anderem auch der Gewinner des Process Matching Contest 2013: N-Ary Semantic Cluster Matching), die ebenfalls zugänglich und nahtlos integriert sind. Bisher verfügbar:

  • Grundlegende Analysen: Berechnung einer Vielzahl von Metriken, Berechnung von Feature Vektoren
  • Identifzierung von Knotenkorrespondenzen (Process Matching) : N-Ary Semantic Cluster Matching
  • Modellähnlichkeit: 12 unterschiedliche Ähnlichkeitsmaße
  • Modellclusterung: Basierend auf Distanz-Matrizen
  • NLP (Natural Language Processing): Part-of-Speech Tagging der Knotenlabels, Label Extraktion, Übersetzung von Prozessmodellen in diversen Sprachkombinationen

Neben der Verfügbarkeit ausgewählter Funktionalitäten lag ein besonderer Fokus auch auf der Einfachheit der Bedienung. So kann in einem abgeschlossenen Workspace ohne Registrierug gearbeitet und ausprobiert, sowie Forschungsergebnisse auf einfachste Weise repliziert werden. Aktuell unterstützt der RMMaaS als Austauschformate für Prozessmodelle (EPKs) EPML und XML (ARIS Exportformat der Versionen 7 und 9), welche auch problemlos untereinander konvertiert werden können. Es existiert eine einfach Voransicht für Modelle, welche grundsätzlich innerhalb des Werkzeugs nur die Grundkonstrukte (Funktionen, Ereignisse, sowie die unterschiedlichen Konnektoren) verarbeitet. Die Berechnungsoperationen werden generell im Hintergrund durchgeführt, was in den teilweise sehr komplexen und mitunter längeren Laufzeiten begründet ist. Allerdings kann man sich immer per Mail über den Abschluss der angestoßenen Berechnung informieren lassen, sowie den Workspace mit anderen Leuten teilen.

Screenshot RefMod-Miner as a Service (RMMaaS)

Screenshot RefMod-Miner as a Service (RMMaaS)

Darüber hinaus ist die WebApp so konzipiert, dass problemlos beliebige weitere Werkzeuge angebunden werden können, einzige Voraussetzung ist eine CLI-Schnittstelle. Bei Interesse kann sich jeder gerne an die Kontaktadressen wenden.

Let’s get startet

Ich hoffe, damit in einigen verständlichen Worten die Idee des RMMaaS rübergebracht zu haben und kann nur jedem Interessierten empfehlen einmal reinzuschauen. Ein wenig Modellmaterial liegt im Model Repository für euch bereit. Ich freue mich auf euer Feedback und neue Anregungen! Noch eine kleine Anmerkungen zum Schluss: Aufgrund vermehrter Aktivitäten kann es aktuell dazu kommen, dass das System tempörär etwas hängt. Die Maschine wird in ca. einer Woche aufgerüstet, womit das Problem dann behoben sein sollte 😉

Getagged mit: , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht unter In eigener Sache, Wirtschatsinformatik

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>